Kutter & Brandung
 

Naturköderangeln
Autor : Minime / Kathi Hahn


Die meisten Menschen denken beim Meeresangeln gleich an das Pilken, aber es gibt noch eine andere Methode um unsere Meeresfische zu überlisten.

Sie nennt sich Naturköderangeln.

Viele denken dabei an sehr lange, harte Ruten mit großen Multirollen, welche im Wettkampffischen verwendet werden, um die endlos langwirkenden Vorfächer besser handlen zu können. Man muss jedoch nicht das teure Gerät nehmen, sondern man kann auch gut mit einer kräftigen Pilkrute zum Naturköderangeln fahren.
Eine gut handlebare Rutenlänge ist zwischen 2,7 m und 3,6 m. Beim Wettkampfangeln ist das Minimum an Bleigewicht 250 g und steigert sich je nach Wetter- und Strömungsverhältnissen bis zu 1400 g und drüber, was dann vielen Anglern jedoch Schwierigkeiten bereitet.
Man kurbelt jedes mal nicht nur das Bleigewicht hoch, sondern auch mal Fisch dazu und das geht echt auf die Arme.

Wenn man jedoch nicht im Wettkampf angelt, darf man natürlich auch leichter fischen.
Gewichte von 100 bis 300 Gramm sind da angenehmer.
Als Rollen haben sich Multirollen bewährt, aber mit einer guten Stationärrolle kann man auch angeln.
Die Montagen sind auch sehr einfach zu bauen (für die, die sie nicht im Laden kaufen wollen). Der Vorteil an selbstgebauten Systemen ist der, dass man sich echt alles aussuchen kann, was die Längen der Mundschnüre, Hakenform- und größe, Perlenfarben, Form, Farbe und Größe der Spinnerblättchen etc. angeht.
Zudem weiß man dann auch, dass die Knoten halten, vorrausgesetzt man kann gute Knoten.

Es gibt 3 Varianten zum Wurmangeln :

System über Blei 1. System überm Blei

Beim Ersten System angelt man mit 2 oder auch seit 2009 mit 3 Anbißstellen überm Blei.
Das Vorfach beginnt mit einem Wirbel, mit dem wir es an unserer Hauptschnur befestigen können. Für die Sehne, die bis zum Blei reicht sollte man eine 50er oder 60er benutzen und für die Mundschnüre werden gern 35er bis 45er benutzt.
Als Einhängepunkt gibt es viele Möglichkeiten, angefangen bei Kreuzperlen (siehe Zeichnung),
über Schnelleinhänger bis zu normalen kleinen Wirbeln oder Karabiner.
Die Abstände zwischen den Einhängepunkten der Mundschnüre und der Abstand zum Blei und oberen Wirbel sind jedem selbst überlassen. Manche angeln lieber mit einem langen Vorfach andere wiederum mit einem kurzen.

Das Gleiche gilt auch für die Längen der Mundschnüre.
In der Ostsee werden Hakengrößen von 2 bis 3/0 gefischt.
Dieses System eignet sich hervorragend für Wittling und Dorsch.

Guten Appetit !

2. Nachläufersystem

Beim Zweiten System angelt man mit 2 oder 3 Anbißstellen nach dem Blei.
Dazu baut man einen sogenannten „Running Boom“ ein, in dem das Blei eingehängt wird.
Dieser funktioniert als Abstandhalter zur Hauptschnur und bewirkt, dass die Nachläufer
hinterm Blei laufen. Angefangen wird wie beim Ersten System mit einem Wirbel, der zum Einhängen in die Hauptschnur dient. Weiter geht’s mit einem Stück 50er oder 60er
auf dem wir unseren „Running Boom“ auffädeln.

Vor und hinter dem „Boom“ sollte noch eine mittelgroße Perle gesetzt werden,
die als Puffer dient. Die 50er oder 60er endet mit einer Schlaufe oder einem Wirbel.
Nun kommt ein Stück 45er, in der wir nach ein paar cm einen Einhängepunkt einbauen.
In diesen Einhängepunkt kommt unsere erste Mundschnur und am Ende der 45er
unsere zweite Mundschnur.

Die Längen der Schnüre sind jedem wieder selbst überlassen. Dieses Vorfach eignet sich hervorragend für alle platten Fische und Dorsche die am Grund zu kleben scheinen.

Was plattes :-)

Nachläufersystem

Drahtarm-Nachläufersystem

3. Drahtarm-Nachläufersystem

Beim Dritten System angelt man mit einer Anbißstelle überm und einer unterm Blei. Dieses System wird wie das Zweite gebaut.
Der Unterschied besteht nur darin, dass man überm „Boom“ einen Einhängepunkt für eine Mundschnur mit einbaut.
In der Zeichnung dargestellt mittels einem Drahtarm, jedoch eignet sich auch wieder eine Kreuzperle etc. dazu.

Ich empfehle die Länge der Mundschnur so zu wählen, dass sie nicht länger ist, als der Abstand zwischen „Boom“ und oberen Einhängepunkt. Wenn dies nicht der Fall ist, kann es schnell passieren, dass sich die Mundschnur mit dem „Boom“ verheddert.
Dieses System ist zu Anfang des Angelns zu Empfehlen, damit man herausfinden kann was die Fische heute bevorzugen.

Ein kleiner Tipp am Rande :
Man muss nicht mit den teuren Perlen ausm Angelladen bauen, sondern kann auch mit denen aus dem Bastelladen bauen.
Die sind meist preiswerter aber genauso fängig.


Zum Angeln an sich:

Als Köder eignen sich besonders Wattwürmer und Seeringelwürmer
(Vorsicht die sind bissig!) und auch mal Heringsfetzen.
Die Köder können per Hand oder mit der Ködernadel aufgezogen werden.
In der Regel wird direkt unterm Boot geangelt, also nicht mit den schweren Gewichten
werfen. Man angelt in der Andrift etwas schwerer, da das Blei unterm Boot gezogen wird
und man nicht mit jemandem auf der anderen Bootsseite in Tüdeleien kommen möchte.
In der Abdrift hingegen kann man leichter angeln.

Man kann auch mal Schnur geben und das Blei raustreiben lassen
und auch mal mit Jigbewegungen wieder vorsichtig ranholen.

Jeder Angler sollte immer ein Messer, eine Messlatte, einen Totschläger
und eine Zange an Bord haben um seinen gefangenen Fisch zu Messen
und waidgerecht töten zu können.

Ich wünsche euch allen viel Spaß beim Bauen und natürlich auch
viel Erfolg beim Angeln.

Kathi Hahn

Dorschies




 


© by Minime/Kathi Hahn, published by Kutter & Brandung 2010